Bericht Jugendforschungsexpedition 2018

Junge Naturforscher erkunden die Taiga Nordrusslands

Von über 200 Mitgliedern des Natura Miriquidica e.V. sind knapp 100 Kinder und Jugendliche. Viele von Ihnen besuchen den Naturforscherclub, als regelmäßigen Treff für naturschutzinteressierte junge Leute. Für die langjährig interessierten Jugendlichen des Vereins gibt es in größeren Abständen die Möglichkeit zur Teilnahme an einer Jugendforschungsexpedition, denn nicht nur das Wissen und das Engagement zu Hause in der heimatlichen Natur ist bedeutsam, sondern auch das Vergleiche ziehen sowie das Anregungen gewinnen beim Besuch fremder Regionen dieser Erde. (Text/Fotos: Babett Schreiter)

Die "Holzklasse" im russischen Nachtzug
Die "Holzklasse" im russischen Nachtzug
2 Stunden Überfahrt auf die Solovki-Inseln
2 Stunden Überfahrt auf die Solovki-Inseln

Nach Rumänien (2012) und Schweden (2014) führte die dritte Jugendforschungs-expedition unseres Vereins 15 naturinteressierte Jugendliche im vergangenen Sommer in die eindrucksvolle Taiga Nordwestrusslands zwischen Onega-See und Weißem Meer.  Die Anreise – fast 2500 km – erfolgte mit Zug, Bus und Fähre und nahm mehrere Tage in Anspruch. Sie war ein wichtiger Bildungs-Bestandteil der Expedition und lehrte die jugendlichen Teilnehmer organisatorische, geografische und sprachliche Kenntnisse sowie eigenverantwortliches Verhalten und Selbstorganisation. Der Weg war eben auch schon das Ziel! Es dauerte drei Tage und drei Nächte bis zur Ankunft am Onegasee, unserer ersten Expetitionsetappe. Die meisten Jugendlichen empfanden die lange Anreise als angenehm, zumal dabei allen erst richtig bewusst wurde, wie weit weg jeder Einzelne eigentlich von zu Hause war.

Ankunft am Weißen Meer auf dem einsamen Solovki-Inselarchipel
Ankunft am Weißen Meer auf dem einsamen Solovki-Inselarchipel
Der Weg war das Ziel: die 2500 km lange Anreise dauerte drei Tage und drei Nächte
Der Weg war das Ziel: die 2500 km lange Anreise dauerte drei Tage und drei Nächte

Während der Forschungsreise transportieren die Expeditionsteilnehmer alle Dinge des täglichen Bedarfs, auch das Essen und die Forschungsausrüstung, im Rucksack. Die mitgeschleppten Benzinkocher kamen aus Ermangelung an Benzin nicht zum Einsatz. Zum Glück wussten die Jugendlichen aus ihren langjährigen Teilnahmen an den Naturforscherclubs, wie man über dem Feuer kocht. Dies praktizierte die Expeditionsgruppe dann auch ganze zwei Wochen lang problemlos, einmal auch bei Dauerregen am Ladogasee.

Begleitet wurden die Jugendlichen von zwei Betreuern, die beide bereits mehrfach in Russland gewesen sind, die über ausreichende Sprachkenntnisse verfügten und Jugendforschungsexpeditionen bereits in den vorangegangenen Jahren betreut haben.

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Das Lagerplatzsuchen und Kochen über dem offenen Feuer waren tägliche Herausforderungen

Mehrtägige Aufenthalte am Onegasee und auf den Solovki-Inseln am Weißen Meer gaben den jugendlichen Naturwissenschaftlern Zeit, ihren Forschungsaufträgen nach zu gehen sowie die Unberührtheit und Einsamkeit der Landschaft bewusst wahr zu nehmen. Die Teilnehmer lernten die Flora der borealen Nadelwaldzone, ebenso eine ursprüngliche terrestrische und maritime Tierwelt sowie das Klima der Taiga kennen.

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Parallelen zum Erzgebirge konnten die Jugendlichen immer wieder ziehen - vor allem die zahlreichen Moore weckten bei den Jugendlichen Erinnerungen an den heimatlichen Erzgebirgskamm. Jeder Teilnehmer übernahm während der Expedition einen seinen Interessen gemäßen Forschungsauftrag, der je nach Organismenart schwerer oder leichter zu erfüllen war. So fanden die „Botaniker“ unzählige Pflanzen, die in einer Pflanzenpresse als Belege mit nach Hause genommen wurden. Die „Ichthyologen“ haben Fische untersucht und diese glücklicherweise der Expeditionsgruppe im Anschluss zum Verzehr zur Verfügung gestellt.

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Selbst gefangene Fische bereicherten zur Freude aller den Speiseplan der Expedition

Die „Geologen“ haben vielerlei Gesteinsproben gesammelt und dokumentiert. Eine Gesteinsexpertin aus der TERRA MINERALIA in Freiberg übernahm freundlicherweise die Bestimmung der Proben und entdeckte darunter echte Gesteinsraritäten.

Neben der unglaublichen Ursprünglichkeit der russischen Naturräume beeindruckten die Expeditionsteilnehmer vor allem die Offenheit der russischen Bevölkerung, die stets an der Expeditionsgruppe interessiert war und uns fast immer mit hilfreichen Hinweisen zum Weg & zu geeigneten Lagerplätzen versorgten. Das zumeist einfache, scheinbar zufriedene Leben der Menschen hier, sorgte bei einigen Expeditionsteilnehmern für eine gewisse Demut und brachte die meisten Jugendlichen zum Nachdenken darüber, in welchem Überfluss die Menschen in Deutschland mitunter leben und dabei trotzdem oft unzufrieden sind.

Die Ergebnisse der Expedition wurden nach der Reise von den Jugendlichen vor 180 Zuhörern in der Aula des Gymnasium Marienbergs präsentiert. Für alle Interessierten bieten wir buchbare die Wiederholungen des Expeditionsvortrages an verschiedenen Orten Ihrer Wahl an.

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Wir bedanken uns bei allen Sponsoren, die diese Expedition unterstützt haben:

Andreas Bilz, Päßler & Haase Strumpffabrikation, Andreas Enger, Annelie Reichel, Antje Rösch Armaturen- und Metallwerk Zöblitz GmbH, Beate Gomille -Schwarz Dr.med, Beate Uhlig, Bernd Rösch, Bodo Langer, Bornwald-apotheke Großolbersdorf, Dental- Labor Jasper GmbH, Dirk Berndt,Dipl. med. Kosmalski, Dr. med Knäbchen, Dr. med. Räthel, Dr. med. Zwingberger, Familie Schönfelder, Freizeitcenter Marienberg, Fuhrunternehmen Alfred Köhler, Gabriele Wendrock, Gunter Reichel, Haarabella Grießbach, Hannes Einhorn, Huss Räucherkerzen-herstellung, Ina Krause, Jens Walther, Joerg Liebert, Kabelbau Unger, Klaus Eisenzimmer, Katharina Siebenborn, Kristina Härtel, Lauckner & Kempf, Lisa Zienert, Lydia Solondz-Lorenz, Monika Lazar, Notarin Annette Partzsch, Petra Wohlgemuth, Philipp Rösch, Prof. Dr. Conny Melzer, Regina Seerig, Sandy Ulbricht, Scheffler OHG, Scherdel Marienberg GmbH, Sigrun Renner, Sonja Richter Müller, Sparkasse Mittleres Erzgebirge, Steffen und Gisela Paetz, Steffi Einhorn, Susan Seerig, Sylvia Bruch, Uwe Klemm, Uwe Schönherr, Volkmar Zschocke, Thomas Born, Thomas Schmieder, Volksbank Mittleres Erzgebirge, Waltraut Schwarz, Wätas GmbH.

Die Expedition/ Vorbereitung wurde über die Jugendförderung des Erzgebirgskreises, durch den ANU e.V. sowie die Stadtverwaltung Marienberg finanziell gefördert.